Strategie · Einführung · 11 Min. Lesezeit

WAS IST DIE
HERAUSFORDERUNG BEI DER EINFÜHRUNG VON KI?

Daten, Prozesse, Menschen — in dieser Reihenfolge. Was Unternehmen unterschätzen, und wo die typischen Stolpersteine liegen.

Kurz erklärt

KI-Einführung scheitert selten an der Technik. Drei Bereiche sind die echten Stolpersteine — in dieser Reihenfolge: Daten (sind sie strukturiert, zugänglich, aktuell?), Prozesse (passen sie zur KI-gestützten Arbeitsweise?) und Menschen (sind sie geschult, motiviert, verantwortungsbereit?). Wer Daten und Prozesse vernachlässigt und nur auf „KI-Tool einkaufen“ setzt, scheitert sehr zuverlässig.

Die Reihenfolge ist nicht zufällig

In Beratungsgesprächen fragen Vorstände typischerweise: „Welche KI sollen wir kaufen?“ Das ist die falsche Frage und kommt am Ende der Kette. Die richtigen Fragen kommen davor — in einer bestimmten Reihenfolge.

Herausforderung 1: Daten

Eine KI ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie arbeitet. Wer einen KI-Berater bauen will, der Kundenanfragen beantwortet, braucht eine strukturierte, zugängliche Wissensbasis. Wer eine KI-Prognose bauen will, braucht eine saubere Auftragshistorie über mindestens 24 Monate. Wer eine KI für Lieferanten-Klassifikation will, braucht einen gepflegten Lieferantenstamm.

Typische Datenprobleme im Mittelstand:

  • Wissen in PDFs ohne Volltextsuche, ohne Kategorisierung.
  • Historie in Excel-Inseln, verteilt über Abteilungen.
  • Stammdaten unklar — wer ist Kunde, wer ist Interessent, wer ist nur ein Datenstaubteilchen?
  • Daten in nicht zugänglichen Systemen ohne API, mit veralteten Lizenzen, ohne Dokumentation.

Lösung: Daten-Audit vor KI. Bei ZEBRA sind die ersten 1–2 Wochen jedes Projekts der Daten-Inventur gewidmet. Wir sortieren, was ist, wir benennen, was fehlt, wir definieren, was strukturiert werden muss.

Herausforderung 2: Prozesse

Wenn KI in einen Prozess eingebaut wird, der schlecht ist, wird der Prozess nicht automatisch gut. Er wird automatisiert schlecht. Beispiel: Wer einen chaotischen Angebots-Prozess hat und eine KI dazwischen schaltet, hat danach einen chaotischen, teilautomatisierten Angebots-Prozess.

Typische Prozess-Probleme:

  • Unklare Verantwortlichkeiten — wer entscheidet was wann?
  • Unklare Übergaben — wo endet die Aufgabe von A und beginnt die von B?
  • Implizites Wissen — vieles steht in keinem Handbuch, sondern „macht man halt so“.
  • Workarounds — die offiziellen Prozesse werden seit Jahren nicht mehr gelebt.

Lösung: Prozess-Skizze vor KI. Wir zeichnen den IST-Prozess mit den Beteiligten. Dann diskutieren wir den SOLL-Prozess mit KI. Erst dann beginnt die Implementierung.

Herausforderung 3: Menschen

Die schwierigste der drei, weil sie sich nicht technisch lösen lässt. KI verändert Arbeit, und nicht jeder begrüßt das. Drei Reaktionen treten typischerweise auf:

  • Begeisterung — etwa 15–20 % der Mitarbeiter. Wollen sofort ausprobieren, finden Wege, melden Probleme. Die Champions.
  • Pragmatismus — etwa 50–60 % der Mitarbeiter. Warten ab, probieren, wenn andere zeigen, dass es funktioniert. Die Mehrheit.
  • Widerstand — etwa 20–30 % der Mitarbeiter. Sehen Risiken, betonen Nachteile, warten auf das Scheitern. Manche aus Angst, manche aus Erfahrung mit gescheiterten Projekten.

Lösung: nicht versuchen, alle gleichzeitig mitzunehmen. Mit den Champions starten, Erfolge sichtbar machen, Pragmatiker mitziehen. Widerständler werden später durch ihre eigenen Beobachtungen überzeugt — oder eben nicht. Das ist okay.

Was am Ende technisch wichtig ist

Erst nach Daten, Prozessen und Menschen kommen die technischen Entscheidungen: Welches Modell? Welche Architektur? Welche Integration? Diese Fragen sind wichtig, aber sie sind nicht die schwierigsten. Ein KI-Anbieter ist tauschbar. Eine schlechte Datenbasis ist es nicht.

Häufige Fragen

Wie lange dauert das Daten-Audit typischerweise?

Für einen mittelständischen Hersteller mit klassischer IT: 1–2 Wochen. Für einen Konzern mit komplexer Systemlandschaft: 4–8 Wochen. Wichtig: das Audit ist nicht „verschwendete Zeit vor KI“ — es ist die Grundlage für jeden späteren Erfolg.

Müssen wir vorher unser ERP wechseln?

Fast nie. Wir docken an bestehende Systeme an, auch wenn sie alt sind. Wichtig ist nur, dass die Daten irgendwie zugänglich sind — über API, Datenbank-Zugriff oder strukturierte Exporte.

Was, wenn der Widerstand groß ist?

Nicht ignorieren. Widerstand hat oft Gründe — Angst um den Arbeitsplatz, Erfahrungen mit gescheiterten Digitalprojekten, Datenschutzbedenken. Diese Gründe ernst nehmen, transparent kommunizieren, Champions zeigen lassen, dass es funktioniert.

Daten- und Prozess-Audit?

An zwei Workshop-Tagen prüfen wir mit Ihnen, ob die Grundlagen für KI bei Ihnen vorhanden sind.

Audit anfragen